Anleitung: Ein typisches Jugendbuch schreiben (Satire)

 

Er ist wunderschön.
Er ist stark.
Er ist makellos.
Und er hat ein dunkles Geheimnis.

Die 17 jährige Sophie hat eigentlich ein ganz normales Leben:
Sie geht auf die Highschool, liest gerne Liebesromane
und hat eine beste Freundin, die ihr immer zur Seite steht.
Doch dann kommt ein neuer Junge in ihre Klasse: Logan. 
Er scheint Sophie ohne Grund zu hassen, dennoch fühlt sich diese 
zu ihm angezogen.

Was sie noch nicht weiß:
Er hat ein dunkles Geheimnis. 
Und ohne es zu wollen, wird Sophie in seine Welt hineingerissen.

Die neue romantische und mitreißende Dunkle-Wesen-Trilogie. 
Lasst euch verzaubern.

Darf ich vorstellen: Das ist der Klappentext, für die Jugendbuch-Reihe, die ich grade schreibe… Okay, nein, war nur ein Witz! 🙂 In Wirklichkeit ist das hier der Klappentext eines typischen Jugendbuches (so aus dem Romantasy bzw. Urban-Fantasy-Genre). Mir ist nämlich aufgefallen, dass ein Großteil der Jugendbücher nach einem bestimmten Schema konstruiert werden.

Ich meine damit Jugendbücher à la: GötterFunke (Marah Woolf), die Silber-Trilogie (Kerstin Gier), die Edelstein-Trilogie (auch Kerstin Gier), Twilight (Stephenie Meyer), Tagebuch eines Vampirs (Lisa J. Smith), Chroniken der Unterwelt (Cassandra Clare), Obsidian (Jennifer L. Armentrout), Schattentraum (Mona Kasten) und noch vieeeele mehr…

Denn all diese Bücher haben eine ganze Reihe Dinge (mehr oder weniger) gemeinsam.

Und da ich sicher bin, dass ihr alle in näherer Zeit ein Jugendbuch schreiben wollt, das sich wunderbar in die Reihe dieser anderen Jugendbücher einfügt, hier eine kleine Anleitung, wie ihr es angehen solltet 😉

(Warnung: Nicht alles zu ernst nehmen 🙂 )

Anleitung für ein (Romantasy-) Jugendbuch:

  1. Als erstes brauchst du eine Protagonistin. Ja, eine Protagonistin. Schließlich sind die  meisten Leser dieses Genres Mädchen.  Dieser Protagonistin gibst du ein Alter zwischen 15-18 Jahren (die Protagonisten sollten um die 2 Jahre älter als ihre Leser sein).  Es ist sehr wichtig, dass sich die Leser gut mit der Hauptperson identifizieren können, also geht diese am besten noch zur Schule, und im Optimalfall liest sie in ihrer Freizeit gerne (denn das tun deine Leser auch. Sonst würden sie dein Buch schließlich nicht lesen 😉 ). Was den Namen angeht, einfach „typische (evtl. englische) Vornamen weiblich “ googeln und deinen liebsten nehmen. Dabei solltest du beachten, dass er nicht mehr als 2 Silben hat und wenn er doch länger ist, brauchst zu zumindest einen kurzen Spitznamen (Grund: kurze Namen kann man sich als Leser leichter merken und du kannst sie auch schneller in deinen PC tippen).
  2. Jetzt wo du eine tolle Protagonistin hast, brauchst du noch einen Ort wo diese Leben soll. Dies ist am besten irgendwo in den USA (Deutschland geht auch, aber bloß nichts „exotisches“ wie Mexiko, Island oder gar Thailand). Such dir auf der USA-/Deutschlandkarte irgendeine beliebige Stadt  aus oder denke dir einfach schnell selbst eine aus (dafür musst du dir nur irgendeinen authentischen Namen und die Größe des Ortes (also ob Kaff, Dorf, Kleinstadt, Großstadt,…) überlegen.)
  3. Super! Deine Protagonistin ____ aus ___________ ist jetzt bereit für ihr männliches Gegenstück. Er ist entweder genauso alt oder 1-2 Jahre älter als die Protagonistin (Warnung: Niemals jünger). Was den Namen angeht, reicht es „sexy Vornamen männlich“ in die Suchmaschine zu tippen und den sexiesten rauszusuchen). Jetzt zum Äußerlichen: Er muss perfekt aussehen (groß, muskulös, tolle Augen (grün ist immer gut), kurze Haare, moderne lässige Kleidung). Und vom Charakter her, ist es gut, wenn er (wie in den meisten Fällen bei solchen Büchern) herablassend, arrogant, und gemein zu der Protagonistin (oder mit anderen Worten ein „Badboy„/A*schl*ch) ist.
  4. Wie du ihn in die Geschichte einbaust ist dir überlassen, doch am besten lernt sie ihn neu kennen (mögliche Optionen: er ist …der Neue in der Schule/ …der Neue beim Sport/ …der Neue in der Stadt/… . Es kann aber auch sein, dass die Protagonistin selbst die Neue in der Stadt ist. ). Die Protagonistin muss sich von Anfang an zu ihm hingezogen fühlen (am besten detaillierte Beschreibung seines makellosen Aussehens, beim ersten Zusammentreffen der beiden). Sie verbringt mehr Zeit mit ihm und verliebt sich trotz seiner grässlichen Art in ihn (gesteht es sich selbst, aber erst sehr spät im Roman zu und zusammen kommen sie natürlich eh erst am Ende von Band 1). Er verliebt sich natürlich auch in sie und sie findet im Laufe der Zeit heraus, dass seine gemeine Art nur Fassade ist.
  5. Natürlich fehlt noch das Geheimnis des männlichen Protagonisten: Am Besten ist er in Wahrheit irgendetwas Übernatürliches (entweder ein bereits bestehendes Wesen (Werwolf/Vampir/…) oder du machst dir die Mühe selbst eines zu Erfinden.). Außerdem musst du entscheiden, ob der Roman weiterhin, in der normalen Welt spielen soll, oder ob vielleicht ein Ortwechsel stattfinden soll (irgendeine selbst ausgedachte Fantasy-Welt, aus der der Typ ursprünglich kommt). Jedenfalls wird die unwissende Protagonistin ist seine Welt hineingerissen. Jetzt kannst du noch entscheiden, ob die Protagonistin in Wahrheit auch was besonderes ist/werden wird.
  6. Ein Antagonist darf natürlich nicht fehlen: Ich würde dir vorschlagen entweder eine böse Organisation (wenn du in unserer Welt bleibst), oder einen bösen Herrscher (wenn die Geschichte in eine Fantasy-Welt wechselt) zu nehmen. Den Plan des Antagonisten „Weltherrschaft zu übernehmen“ ist zwar Klischee, funktioniert aber trotzdem immer wieder.
  7. Am Ende von Band 1 darf der obligatorische Plottwist natürlich nicht fehlen: Am besten wird irgendein vermeindlich guter Nebencharakter böse. SCHOCK!
  8. Wie du sicher schon bemerkt hast, habe ich oft von „Band 1“ gesprochen. Ich meine, ein Buch reicht für deine Geschichte natürlich nicht. Am beliebtesten ist eine Trilogie zu schreiben. Zu beachten: Band 1 und Band 2 enden mit Kliffhänger; ganz am Ende sollte es ein Happy End geben.
  9. Nun zum Schreibstil: Ich würde vorschlagen in der Ich-Form, aus Sicht deiner Protagonistin zu schreiben. Wenn nötig kann es ab Band 2 zusätzlich auch aus der Perpektive des männlichen Protagonisten geschrieben werden.
  10. So, jetzt wenn du dein Buch geschrieben hast, fehlt nur noch die Zielgruppe für die perfekte Vermarktung: Geschlecht ist natürlich eher Mädchen und am besten machst du dein Buch ab 14 Jahren. Selbst wenn dein Buch eher für 12 jährige sein sollte. Kinder fühlen sich immer besonders „cool“, wenn sie etwas lesen, für das sie eigentlich „noch zu jung“ sind.
  11. Das Cover sollte verspielt gehalten werden, gerne prangt das Gesicht eines hübschen Mädchens/das Sixpack eines heißen Typens das Cover. Gerne werden pastellige Farben benutzt oder evtl. Glitzer/Glanz benutzen. Aber darum kümmert sich natürlich dein Verlag.

Mit dieser Anleitung wirst du garantiert einen Bestseller schreiben, den Massen an Jugendlichen kaufen werden. Versprochen! 😉

Habt noch einen schönen Tag!

-Felia ❤

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43 Gedanken zu “Anleitung: Ein typisches Jugendbuch schreiben (Satire)

  1. Super witziger Beitrag! Ich weiß wohl nicht ob ich lachen oder weinen soll, weil es einfach SO WAHR ist und ich schon mindestens 529 Bücher gelesen habe, die genau nach diesem Schema aufgebaut sind. Ich finde aber eh, dass neue Ideen und Individualität total überbewertet sind.

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  2. Oh ja, das trifft es so genau.
    Das ist ein Grund, warum ich mich von Jugendbüchern nicht ernst genommen fühlte. Und vielleicht auch der Grund, warum ich nun selbst an einem Jugendbuch sitze und versuche, all diese Tropes zu ignorieren, keines davon einzubauen. Gar nicht so leicht.

    LG
    Taaya

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  3. Super Beitrag! Toll beobachtet und ein super unterhaltsamer Schreibstil! 🙂 Ich habe auch lange versucht, einen eigenen Roman zu schreiben und bin jedes Mal sofort in dieses Raster verfallen 😀 Naja, mitllerweile habe ich es aufgegeben und versuche mich jetzt am Bloggen … 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Omg ich habe so herzlich gelacht bei deinem Beitrag, Danke dafür! 😀 Ich finde du hast das sehr treffend auf den Punkt gebracht, insbesonders das mit dem ach so lässigen, gemeinen, absolut perfekten Typen (mit den grünen Augen :D) und der oder die Neue an der Schule und dem dunklen Geheimnis geht mir mächtig auf den Zeiger!
    Ich lese auch gerne romantasy, Jugendbücher etc und plane derzeit eine Trilogie mit mehren Protas und siehe zu, dass ich nicht in die Klischeefalle tappe, auch wenn die sich ja durchaus gerne bewährt haben ^^
    Da kommts dann echt auf die Mischung an!

    Gefällt 1 Person

  5. Liebe Felia,
    zuallererst vielen, vielen Dank für dein Follow auf meinem Blog!! 🙂 Ich dachte mir, ich schaue mal bei dir vorbei und da habe ich diesen wunderbaren Beitrag gefunden. Das hast du super in Worte gefasst! 🙂 Ich mag romantische Fantasy gar nicht und habe mich seit jeher davon fern gehalten. Der Post ist witzig, kreativ und sarkastisch. Er hat mir definitiv den Abend versüßt! 🙂 Ich denke, am besten fand ich, wie du den mysteriösen Typen beschrieben hast, der gerade aus einer Parfum-Werbung zu kommen scheint, die für unwiderstehlich männlichen Duft wirbt. 🙂
    LG
    Klaudia

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  6. Ich musste sehr schmunzeln. Lass uns einen Bestseller schreiben! 😉 Ja, das Schema ist immer dasselbe, da kann man Deine Aufzählung beliebig fortführen. Da fallen mir noch House of night, Vampiacademy, Soulseeker, Nightschool uvm. ein.

    Und trotzdem lesen wir sie. Genauso wie die im Moment boomenden Bücher, wo einer der Protas am Ende stirbt. Man weiß es schon am Anfang, lies das Buch aber trotzdem.

    Liebe Grüße

    Britt

    Gefällt 2 Personen

  7. Hey,

    sehr schöner Artikel 🙂 Ich glaube, jeder, der mal zu viele Jugendbücher hintereinander gelesen hat, versteht, dass man darüber mal einen Post verfassen muss 😀
    Ich muss ja sagen, ich lese prinzipiell Jugendbücher echt gerne, aber ich merke selbst, dass ich zwischendurch immer mal was anderes brauche, sonst kann das Buch noch so gut sein, ich bin genervt, dass es immer das gleiche ist.

    Aber dank deiner Anleitung kann ich jetzt wenigstens selbst ein Buch schreiben, von dem Vielleser genervt sein werden, juhuuu 😀

    Liebe Grüße
    Lena

    Gefällt 1 Person

  8. Witzig geschrieben 🙂 Ich mochte besonders den Teil, wie man den perfekten Namen für den Jungen findet 😀 oder Augenfarbe: grün ist immer gut XD
    Ich hab nichts gegen solche klischeeüberladenen Geschichten, die Opal-Reihe steht bei mir auch im Regal. Nur kann ich sowas nicht ständig und andauernd lesen. Das ist dann auch einfach langweilig 😛

    Gefällt 2 Personen

  9. Das hast du schön zusammengefasst und da ist mit Sicherheit auch was dran. Ich allerdings stand als Teenie nie auf diese Art von Büchern. Ich mochte noch nie die Ich-Erzählung, da ist mir viel zu wenig los. Ich bin gerne in den Gedanken ALLER Protagonisten und ich stehe definitiv mehr auf Antihelden! 😁 Aber du hast völlig recht, der Buchmarkt ist überschwemmt mit der Art Jugendbüchern, die du oben beschreibst. Ich wünschte mir es gäbe mehr von der anderen Art… . Aber ich bin heute auch bei Weiter nicht mehr die Zielgruppe! 😂

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für deinen Kommentar ❤ ! Ich freue mich wirklich deine Meinung zu diesem Thema zu hören 🙂 !
      Ich habe früher eigentlich nur solche Jugendbücher gelesen, doch seit ich auch mal andere Genres ausprobiert habe, ist mir erst klar geworden, wie ähnlich sich die meisten Jugendbücher doch sind… Aus diesem Grund versuche ich nun Abstand zwischen mich und diese Jugendbücher zu bringen. Es ist allerdings etwas blöd, dass, sich auf meinem Sub die Jugendbücher nur so stapeln… 😉

      Gefällt 1 Person

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