Rezensionen

[Rezension] „Raum“ von Emma Donoghue

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Titel: Raum
Autor: Emma Donoghue
Verlag: PIPER
Format: Taschenbuch
Ladenpreis: 9,99 €
Seitenzahl: 416
Genre: Roman, Gegenwartsliteratur
Thema: Isolation, Welt entdecken, Mutter und Kind, Entführung

Klappentext (Quelle) : Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es noch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …


Meine Meinung:

Es sitzt mir immer noch tief in den Knochen, was ich da gelesen habe. Raum hat mich berührt, geschockt und mir vielleicht sogar, in gewisser Hinsicht, die Augen geöffnet, und meine Sicht auf die Welt, auf das Leben, ein wenig erweitert. Dieses Buch ist etwas ganz besonderes. Das habe ich schon auf den ersten paar Seiten gemerkt. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so spannend, so nervenaufreibend an der einen und so melancholisch und berührend auf der anderen Seite sein würde.

Schreibstil:

Das ganze Buch hätte bei der Umsetzung des Schreibstils hadern können: Ein Buch das aus der Sicht eines Fünfjährigen geschrieben ist – für mich auf den ersten paar Seiten, eine wirklich skurrile Situation; doch ich habe mich schnell an die oftmals falsche Grammatik, die einfachen, unbeschmückten Sätze und die kindlichen Floskeln (wie z.B. „Kommt nicht in die Tüte.“)  gewöhnt. Geliebt habe ich diese Idee schon, bevor ich mit dem begonnen hatte, und auch wenn ich so meine bedenken hatte, ob eine erwachsene Frau, aus der Sicht eines Kindes schreiben kann.

Nun was soll ich sagen… die Umsetzung war einfach Spitze. Die Autorin hat es geschafft den kindlichen Charme authentisch auf jede einzelne Seite zu übertragen.  Das sprachliche Gesamtkunstwerk ist bewundernswert. Allein schon, weil diese ganzen „literarischen“ Formulierungen fehlen. Das ist eines der wertvollsten Aspekte an dem Buch: Diese unschuldigen Augen mit denen so schreckliche Dinge gesehen werden.
Insgesamt wurde die Sprache wirklich super rübergebracht und hat für mich einen großes Teil des Reizes am Roman ausgemacht.

Story:

Ich bin ohne Erwartungen an die Geschichte herangegangen. Und außer des ungewöhnlichen Settings hatte ich wirklich keine Ahnung wie sich der Plot entwickeln würde.

Die Story beginnt sachte, man lernt Raum kennen und den Alltag von Jack und seiner Ma in dem winzigen Raum. Zuallererst muss ich sagen, dass es mir das Herz zerrissen hat, davon zu lesen, wie die beiden z.B. von einer Seite zu der anderen durch das Zimmer rennen um sich körperlich zu betätigen. Alles was sie im Raum haben, ist für sie wichtig und von nutzen und ganz besonders für Jack ist jede einzelne Sache wertvoll (und seien es die kaputten Eierschalen, die zu einer Schlange aufgefädelt wurden).

Die Geschichte bekommt nach circa. 50-100 Seiten eine Kehrtwende, mit der ich gar nicht gerechnet hatte (aber wenn man den Klappentext gelesen hat (habe ich vorher nicht), weiß man was passiert): Ma erzählt Jack von der Außenwelt und, dass sie vorhat zu fliehen. Von da an, hat mich das Buch an seine Seiten geklebt. Ich habe es einfach nicht mehr geschafft mich von ihnen zu lösen. Ich habe selbst beim Zähneputzen weiterlesen müssen (und das bedeutet ja nun wirklich, dass es Spitze ist… 😉 )! Das Buch hat einfach rasant an Fahrt aufgenommen und auch was danach passiert ist, war einfach… bewegend (ich will nicht spoilern 🙂 ) Es gab ein paar Stellen, die mir den Atem geraubt haben, andere Szenen haben mein Herz aufblühen lassen, und ich habe mich noch durch viele weitere Gefühle gelesen. Ich bin fasziniert über das Handwerk der Autorin und ihr Geschick mit den Gefühlen der Leser zu spielen.

Charaktere:

Jack, ist noch klein. Das merkt man sowohl bei den Gedankengängen die er hat, als auch an seinem Verhalten. Er ist einfach herzallerliebst (wie kleine Kinder nunmal herzallerliebst sind). Besonders lieblich fand ich übrigens, wie er die Höflichkeitsformen ständig vertauscht und, dass er so ein großer Dora-Fan ist <3!

An manchen Stellen hatte ich mit ihm aber auch so meine kleinen Problemchen. Er hat mich sogar teilweise wirklich rasend vor Zorn gemacht, wenn er herumgenörgelt hat, oder seiner Ma nicht zuhören wollte, wenn diese über ernstere Themen mit ihm gesprochen hat. Aber genau das sage ich keineswegs im negativen, sondern viel eher im positiven Sinne, denn dieses teilweise egoistische und ignorante Verhalten hat Jack als 5-jährigen so richtig glaubhaft wirken lassen.

Über Ma als Charakter muss ich sagen, dass sie einfach die wunderbare Mutter war, die Jack in ihr gesehen hat. Ich mochte sie wirklich sehr gerne, und auf dem Weg Stückchenweise hinter ihre Vergangenheit zu kommen, hat mich jeder Schritt gebannt den Atem anhalten lassen. Dadurch, dass Jack, sehr viel nicht verstanden hat, wurde ich als Leser so gesehen, allein mit meiner Reaktion gelassen, während es an Jack, der mit diesen Informationen nicht wirklich umgehen konnte einfach vorbeigesickert ist.

Fazit: Dieses Buch ist einzigartig, etwas besonderes und es hebt sich von anderen Büchern ab! Ich würde jedem, der das hier liest ans Herz legen, dem Buch eine Chance zu geben und sich mitreißen zu lassen.

5/5 Sterne!

5 Sterne

 

Und hierbei noch eine Empfehlung: Falls ihr keine Lust habt das Buch zu lesen: Schaut den Film! Er ist wirklich grandios!!

 

 

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9 thoughts on “[Rezension] „Raum“ von Emma Donoghue”

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