[Rezension] „Drei Meter unter Null“ von Marina Heib

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Titel: Drei Meter unter Null
Autor: Marina Heib
Verlag: Heyne Encore
Format: Hardcover
Ladenpreis: 19,99€
Seitenzahl: 256
Genre: Thriller
Thematik: Was veranlasst einen Menschen, andere Menschen zu ermorden?

** Vielen Dank an das Bloggerportal Random House für die zur Verfügungstellung dieses Rezensionsexemplares**


Zum Inhalt:

Klappentext (Quelle): Sie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie.

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Das Buch ohne Umschlag

Das Buch ist aus der Sich einer Protagonistin geschrieben, deren Namen der Leser im kompletten Buch nicht erfährt. Das Buch besteht aus 2 Teilen:

-Einmal aus der Biographie der Protagonistin („Wie ich war, was ich nicht war, bevor ich wurde, was ich bin“). Ihre komplette Kindheit und Jugend und ihre prägendsten Erlebnisse erläutert sie hier.
Es wird über ihr Dasein als sehr fantasievolles Kind berichtet, das durch ihr Vorstellungsvermögen immer ein Außenseiter gewesen ist.

Ich fragte ihn weinend, warum es wichtig sei, dass alle Menschen normal sind. Brauchte die Welt denn so viele Ingenieure und Ärzte, aber keinen einzigen Winnetou oder Tarzan?

Und dann wird sie älter und älter. Bis sie irgendwann zur Mörderin wird. Was genau passiert ist, müsst ihr selbst lesen 😉

Aber eins kann ich euch verraten. Es spielt ein bestimmter nebliger Donnerstag im November eine große Rolle.

An einem Donnerstag im November des vorletzten Jahres wurde ich zertrümmert.

Innerhalb weniger Sekunden zerfielen Städte zu Staub, verloren Bäume Blätter und Nadeln, welkten Wiesen, trockneten Bäche und Flüsse aus, verdunkelte sich die Sonne, und ein Sturm zog auf. (S. 17)

-Der andere Teil des Buches spielt in der Gegenwart und berichtet von ihrem Dasein als Mörderin. Hier beschreibt wie sie ihre Opfer erst beobachtet und dann umbringt.

Die Kapitel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich immer ab. Und so weiß man erst am Ende des Buches über ihre Vergangenheit bescheid.

Leseerlebnis:

Meine Meinung zu dem Buch, und das muss ich ganz offen zugeben, hat sich während des Leseprozess ziemlich verändert. Aber die Kurve ging nach oben. Steil nach oben 😉 ! Um ehrlich zu sein, habe ich unsere Protagonistin anfangs überhaupt nicht nachvollziehen können. Ich meine auf irgendeiner Seite stand dann plötzlich: „Und ich wurde IMG_4410[1]Mörderin“. Ohne Grund. Ich habe mich schon ein bisschen darüber aufregt.
Okay, das war vielleicht auf S. 20 und NATÜRLICH weiß man da noch nicht, warum die Protagonistin tut, was sie tut. Aber während des Lesens habe ich sie deswegen am Anfang halt kaum Nachvollziehen können.
Die Biographie von ihr, fand ich recht spannend. Ich lese sehr gerne Biographien und generell Lebenswege. Die Kapitel, die allerdings in der Gegenwart spielten, haben bei mir halt einfach die Frage nach dem Warum aufgeworfen.

Aber so gegen Ende kam dann die „Auflösung“. ENDLICH ist herausgekommen, warum unsere liebe Hauptperson diese Menschen umbringen will.
Und von da an, habe ich endlich alles verstanden. Alles hat schlagartig Sinn ergeben.
Und ihr müsst wissen: Die Auflösung ist einfach nur krass!
Von da an hat sich das Buch zum richtigen Pageturner entwickelt.
Ich habe meinen Blick nicht mehr von den Seiten lösen können und als es sogar, ganz unerwartet, am Ende noch einen heftigen Plottwist gab… Ich war völlig zerstört.

Also Zusammenfassend kann man folgendes sagen: Das Buch hat, während ich es gelesen habe, immer mehr Sympathiepunkte erworben und am Ende hat es mich dann ganz für sich gewonnen.

Schreibstil:

Beim Schreibstil der Autorin ist mir sofort die sehr erwachsene Ausdrucksweise aufgefallen. Die Autorin schreibt ihrem Alter angemessen und benutzt begriffe oder Floskeln, die ein 70er Jahre Kind, sicher in Nostalgie hätten versetzen können. Wenn Kindergartenkinder „Gabi“ oder „Peter“ heißen, ist es für jemanden aus meiner Generation, dann doch recht ungewohnt. Dass die Protagonistin keinen Namen hatte, kam mir da ganz recht, denn hätte die „Brigitte“ oder „Sabine“ geheißen, hätte ich wahrscheinlich gleich ein Bild von einer der Freundinnen meiner Mutter im Kopf gehabt und nein… einfach nein… 😉 . Prinzipiell stören mich diese Namen ja gar nicht. Ich habe es nur Anfangs, Sprachstil und Namensgebung, als eigentlicher Jugendbuchleser der ich nun mal bin, als relativ gewöhnungsbedürftig empfunden. Dadurch hat die Sprache aber natürlich auch authentisch gewirkt. Unsere Protagonistin ist schließlich in einer ganz anderen Generation als ich aufgewachsen. Und das Buch hat schließlich auch Erwachsene, in diesem ungefähren Alter als Zielgruppe, deshalb hat es mich nach kurzer Zeit, nicht mehr gestört.

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Die Textstellen, die mir ins Herz gestochen haben, habe ich mit rosa Klebezetteln markiert.

Zumal der Schreibstil auch sonst wirklich wahnsinnig gut war. Ihr müsst euch mal mein Buch ansehen. Ich habe wirklich viele Textstellen darin markiert.
Das Buch enthält wirklich tolle Metaphorische Passagen, in denen die Protagonistin von den Dämonen in dich berichtet. Diese Metaphorische Beschreibung ihrer Dunkelheit im Inneren sprenkelt sich durch das ganze Buch und taucht immer wieder auf.

Als meine Dämonen schwiegen, wurde ich selbst zum Dämon (S. 91)

[…] die Türen wurden eingetreten von hornigen, schuppigen Füßen mit langen scharfen gebogenen Krallen, der Stahl  knallte gegen die Wände, dass der Putz rieselte und die Dämonen drängten blitzschnell, wuselnd und kriechend und polternd durch die langen Gänge hinauf, […] (S. 105)

Eine andere Metapher, die ständig eine Rolle spielt, sind Wölfe. Unsere Protagonistin bezeichnen sind selbst als Wölfin, die andere Wölfe jagt.

Im Wolfsrudel gibt es eine Rangordnung, die ich einhalten will wie ein Naturgesetz Der Leitwolf kommt zum Schluss. (S. 81)

Also um es mal kurz zusammen zu fassen: Der Schreibstil des Buches ist wirklich großartig, es ist ein Buch für Erwachsene und das erkennt man auch am Sprachstil. Metaphern und Bildhafte Darstellungen kommen nicht zu kurz. Nicht selten, musste ich mir tatsächlich Textstellen markieren, weil ich sie so wunderbar ausgedrückt fand.

Fazit:

Wie toll ich den Schreibstil fand, habe ich ja schon erläutert und auch, dass die Handlung immer und immer besser wurde. Vor allem zum Ende hin, konnte mich das Buch noch einmal heftig ins Herz treffen. Am Anfang hätte ich dem Buch 3 Sterne IMG_4413[1]gegeben. In der Mitte vielleicht 4 und am Ende hätte ich dem ganzen Buch 5 Sterne gegeben. Vor allem, kann man, weil man ja jetzt alles versteht, das ganze Buch prinzipiell nochmal lesen und alles mit anderen Augen sehen 🙂 !

Also ich gebe dem Buch insgesamt grandiose 4,5 Sterne. Und das ist schon richtig richtig gut! Das Buch hat mich hart getroffen. Ich werde bestimmt noch lange, mit der Verletzung herumlaufen müssen. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits.

(Dieses Buch zu lesen ist übrigens Teil der SuB den Sommer Challenge gewesen)

4,5 Sterne

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5 Gedanken zu “[Rezension] „Drei Meter unter Null“ von Marina Heib

  1. winni1234 schreibt:

    Ich bin kein Krimi-Leser, nein das ist nicht meine Welt. Ich schreibe diesen Kommentar, weil das eine aussergewöhnliche Rezension ist und zwar stilistisch. Ich bin beeindruckt .

    Gefällt mir

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